Kurz vor den Sommerferien verließ das bg2024 des Beruflichen Gymnasiums für einen Tag das Klassenzimmer und begab sich auf Spurensuche an einen besonderen außerschulischen Lernort: den Historischen Lernort Neulandhalle in Friedrichskoog.

Die 1936 errichtete Neulandhalle im damaligen „Adolf-Hitler-Koog“ war während der Zeit des Nationalsozialismus ein zentraler Versammlungs- und Schulungsort. Hier inszenierten die Nationalsozialisten ihre Vorstellung einer vermeintlich harmonischen „Volksgemeinschaft“ und propagierten die „friedliche“ Erweiterung deutschen Lebensraums. Hinter diesen scheinbar positiven Versprechen standen jedoch Ausgrenzung, rassistische Ideologie, Gewalt und schließlich Krieg. Der Historische Lernort macht diese Zusammenhänge sichtbar und regt zur Auseinandersetzung mit der Geschichte und ihrer Bedeutung für die Gegenwart an.

Drei Gruppen – drei Perspektiven

In drei Gruppen erkundeten die Schülerinnen und Schüler den Lernort und beschäftigten sich intensiv mit unterschiedlichen Schwerpunkten: Volksgemeinschaft, Lebensraum und Erinnerungskultur.

Die Gruppe zum Thema „Volksgemeinschaft“ untersuchte, was sich hinter dem nationalsozialistischen Versprechen einer Gemeinschaft verbarg, in der alle vermeintlich „dazugehörten“. Dabei wurde deutlich, dass die propagierte Gemeinschaft immer auch auf Ausgrenzung beruhte. Wer nicht dem nationalsozialistischen Weltbild entsprach, wurde ausgeschlossen, verfolgt und entrechtet.

Die zweite Gruppe widmete sich dem Begriff „Lebensraum“. Ausgehend von der Landgewinnung an der Westküste wurde nachvollzogen, wie die Nationalsozialisten die Erschließung und Besiedlung neuen Landes propagandistisch inszenierten und mit ihrer rassistischen „Blut-und-Boden“-Ideologie verbanden. Die Schülerinnen und Schüler arbeiteten heraus, dass der scheinbar friedliche Gedanke der Landgewinnung in die nationalsozialistische Vorstellung von Eroberung und Lebensraum eingebettet war.

Die dritte Gruppe beschäftigte sich mit Erinnerungskultur. Dabei ging es nicht nur um die Geschichte der Neulandhalle während der NS-Zeit, sondern auch um die Frage, wie nach 1945 mit diesem belasteten Ort umgegangen wurde und warum es heute einen Historischen Lernort gibt. Die Schülerinnen und Schüler setzten sich damit auseinander, wie Geschichte an einem solchen Ort vermittelt werden kann und welche Bedeutung die Erinnerung an die nationalsozialistische Vergangenheit für unsere Gegenwart hat.

Geschichte am historischen Ort erleben

Eine Besonderheit des Lernortes ist die Gestaltung der Ausstellung: Die historische Ausstellung befindet sich vollständig im Außenbereich. Große Buchstaben bilden die Begriffe „VOLKSGEMEINSCHAFT UND LEBENSRAUM“ und dienen gleichzeitig als Ausstellungsflächen. Texte, Bilder und weitere Informationen eröffnen unterschiedliche Perspektiven auf die Geschichte des Ortes und seine Einbettung in die nationalsozialistische Ideologie.

Für die Schülerinnen und Schüler bot der Besuch die Möglichkeit, im Unterricht behandelte Aspekte des Nationalsozialismus unmittelbar an einem historischen Ort zu untersuchen. Statt Geschichte ausschließlich anhand von Schulbuchtexten zu betrachten, konnten sie nachvollziehen, wie politische Ideologie, Propaganda, gesellschaftliche Ausgrenzung und konkrete Orte miteinander verbunden waren.

Am Ende des Besuchs stand daher nicht nur die Frage, was damals geschah, sondern auch, welche Bedeutung die Auseinandersetzung mit dieser Geschichte für die Gegenwart hat. Gerade darin liegt der besondere Wert eines außerschulischen Lernortes: Geschichte wird nicht nur vermittelt, sondern vor Ort hinterfragt, diskutiert und in Beziehung zur eigenen Gegenwart gesetzt. Der Besuch der Neulandhalle bot dem bg2024 somit kurz vor den Sommerferien einen eindrucksvollen Abschluss der historischen Auseinandersetzung – und zugleich einen wichtigen Impuls für die Frage, wie wir heute mit Geschichte umgehen und was wir aus ihr lernen können.

 

Dank für die Unterstützung

Ein besonderer Dank gilt der Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten, durch deren Förderung die Fahrtkosten der Exkursion bezuschusst werden konnten.